Erzbistum Freiburg
Oberrheinische Kirchenprovinzkonferenz: Austausch in Mainz

Einmal im Jahr treffen sich die Kolleginnen und Kollegen aus den drei Archiven der Oberrheinischen Kirchenprovinz. Aus dem Diözesanarchiv Rottenburg (DAR), dem Dom- und Diözesanarchiv Mainz (DDAMZ) und dem Erzbischöflichen Archiv Freiburg (EAF) kamen Anfang Juli 29 Archivarinnen und Archivare zur Provinzkonferenz 2025 zusammen, um sich über aktuelle Themen der kirchlichen Archivarbeit auszutauschen. Die Organisation der Provinzkonferenz rotiert zwischen den Bistümern Freiburg, Rottenburg-Stuttgart sowie Mainz. 2025 lud das Dom- und Diözesanarchiv Mainz ins Bischöfliche Priesterseminar St. Bonifatius ein.
Die Veranstalter wählten die Bewertung von Archivgut als inhaltlichen Schwerpunkt aus. Ihr kommt in Archiven eine wichtige Rolle zu, weil nicht das gesamte Schriftgut (auf Papier sowie digital) „auf ewig“ aufbewahrt werden kann. Zum einen fehlt irgendwann der Platz, zum anderen sollen die Archivalien genutzt werden können und das fällt spätestens dann schwer, wenn Nutzende zu einem Thema oder einer Frage gleich meterhohe Aktenstapel (bzw. tausende Dateien) durchschauen müssten. Eine Auswahl ist also erforderlich - und damit ist eine große Schwierigkeit verbunden, denn nach der Kassation trifft die einfache Erkenntnis zu: „was weg ist, ist weg.“.
Als Gast schilderte Silas Berlit aus dem Mainzer Stadtarchiv seine Herangehensweise für die Bewertung eines umfangreichen Nachlasses. Die Abgabe besteht schätzungsweise zu 90 Prozent aus Bildmaterial (Fotos, Abzüge, Dias, Negative). Während die Provenienz bekannt ist, finden sich nicht immer Hinweise auf die jeweiligen Kontexte, Ereignisse oder abgebildeten Personen. Das erschwert die Erschließung der Inhalte und der Bearbeiter muss sich fragen, ob er das Bildmaterial bei vollständig fehlenden Angaben überhaupt aufbewahren soll. In manchen Fällen, gerade bei sich wiederholenden Motiven, entscheidet er sich für eine Aussonderung.
Ebenfalls besprochen wurde das Mainzer Bewertungsmodell für Pfarrarchive, insbesondere seine Konzeption, die Anwendung und stellenweise Nachbesserung. Eine weitere Präsentation widmete sich dem Umgang mit Bauakten sowie Plänen. Hieran knüpften die Kolleginnen und Kollegen aus der digitalen Langzeitarchivierung an. Ihre Erfahrungsberichte und vorgestellten Vorgehensweisen umfassten mehrere Themen und gaben Einblicke in die Herausforderungen im Bereich des Digitalen. Es ging um die Bewertung unterschiedlicher Datenträger und die Sicherung der auf ihnen gespeicherten Informationen, denn für manche gibt es heutzutage kaum noch die passenden Auslesegeräte. Die Nutzung von Archivsoftwares sowie die Archivierung elektronischer Meldedaten bildeten die abschließenden Tagungspunkte zu diesem Schwerpunkt.
Von dem jährlichen Austausch profitieren alle Häuser. Die Teilhabe an den Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen hilft so manches Mal: Sie regt zum Nachdenken an, dient der Wissensweitergabe, führt zu einem intensiveren Kontakt im Nachgang. Ein kulturelles Highlight wurde den Teilnehmenden am zweiten Tag mit der Besichtigung des Alten Doms St. Johannis geboten. Die Architektin des evangelischen Dekanats Mainz, Christiane Wolf, gab Einblicke in die jahrhundertealte Geschichte des beeindruckenden Kirchenbaus. Die historische Stätte kann nicht nur zu Bildungszwecken besucht werden, sondern es finden dort auch regelmäßig Gottesdienste sowie Veranstaltungen statt.
Text: Sarah Mammola / Foto: Dr. Thomas Brockmann