Diözesanarchiv Osnabrück
Bistumsarchiv Osnabrück bildet erstmals FaMI aus

Das Bistumsarchiv Osnabrück hat sich für einen aktiven Weg entschieden, dem Fachkräftemangel zu begegnen, und bildet erstmals eine Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste (FaMI), Fachrichtung Archiv aus. Seit dem 1. August 2025 bereichert Lena Witteborg, die zuvor Geschichte an der Universität Münster studiert hat, das Osnabrücker Team.
„Mit der zunächst vorsichtigen Anfrage, ob die Möglichkeit zur Ausbildung besteht, habe ich in der Verwaltung offene Türen eingerannt“, berichtet Archivleiterin Sonja Drehlmann. Die Idee sei begeistert aufgenommen worden. Das Bistum Osnabrück bildet schon seit vielen Jahren Auszubildende zur Kauffrau für Büromanagement aus und freut sich, sein Ausbildungsportfolio nun um ein weiteres Berufsbild erweitern zu können.
Von der ersten Idee bis zum Ausbildungsvertrag vergingen nur rund zehn Monate, auch weil die Industrie- und Handelskammer (IHK) die Initiative von Anfang an unterstützte. Da der Beruf bislang in Osnabrück nicht ausgebildet wird, waren zunächst viele Fragen offen. Obwohl das Bistumsarchiv keine ArchivarInnen mit Fachausbildung beschäftigt, war die Ausbildung möglich, da die Archivleiterin bereits eine Ausbildereignungsprüfung abgelegt hatte und in ihrem Erstberuf über Ausbildungserfahrung verfügte. Nach einem ersten Besuch des Ausbildungsberaters wurden auch die betrieblichen Voraussetzungen anerkannt und das Bistumsarchiv zur Ausbildung zugelassen.
Es folgte die Bewerbersuche. Insgesamt 14 BewerberInnen meldeten sich, die meisten über das FaMI-Portal. Viele befanden sich nach Studium oder Studienabbruch in einer Orientierungsphase. Nach intensiven Gesprächen und Probearbeiten fiel die Wahl schließlich auf Lena Witteborg. „Das war das schönste Telefonat, das ich in diesem Jahr geführt habe“, berichtet die Ausbilderin.
Eine kleine Herausforderung stellte noch die Wahl der Berufsschule dar. Infrage kamen Hannover, Bremen und Dortmund. Da Frau Witteborg in Münster lebt, fiel die Wahl auf Dortmund. Zwei Tage pro Woche erhält sie dort Berufsschulunterricht.
Seit August lernt sie nun das Bistumsarchiv und den Beruf der FaMI kennen – und beide Seiten haben ihre Entscheidung bis heute nicht bereut. Unterstützung findet die Ausbilderin neben der IHK auch bei der Ausbildungsbetreuerin des Bistums. Diese kümmert sich um alle fünf Auszubildenden, organisiert fachübergreifende Schulungen und übernimmt einen Teil der Verwaltungsarbeiten. „Hier profitieren wir deutlich von der langjährigen Erfahrung des Bistums in der Ausbildung, und der Verwaltungsaufwand hält sich in Grenzen“, so Sonja Drehlmann.
Drei Monate Ausbildung im Bistumsarchiv – ein erstes Fazit von Lena Witteborg
Wie kamen Sie auf die Idee, eine FaMI-Ausbildung zu machen?
Ich wollte nach meinem Studium gerne weiter etwas mit Geschichte machen, und am besten weiter mit Quellen arbeiten. Und bei der Suche im Internet nach möglichen Berufsfeldern bin ich durch Zufall auf das FaMI-Portal gestoßen. Die Beschreibung der Ausbildung und die Tätigkeitsfelder – besonders die im Archiv – haben mich total angesprochen.
Warum haben Sie sich gerade beim Bistum Osnabrück beworben?
Ich habe mich sowohl in NRW als auch beim Bistum Osnabrück beworben. Auf dem FaMI-Portal bin ich auf die Stellenanzeige des Bistums aufmerksam geworden und habe einfach mal das Diözesanarchiv gegoogelt. Besonders die Videoreihe „Abenteuer im Bistumsarchiv“ hat mich überzeugt. Die Materialien waren spannend, und das Team kam super sympathisch rüber.
Was macht Ihnen in Ihrer Ausbildung am meisten Spaß?
Am meisten Spaß macht mir der Umgang mit dem Archivgut und das Unterstützen von Heimat- und Familienforschern. Es ist jedes Mal ein besonderes Gefühl, ins Magazin zu gehen und zu wissen, dass hier Schriftgut lagert, das Jahrhunderte alt ist und schon so viel „erlebt“ hat.
Was ist die größte Herausforderung in der Ausbildung für Sie persönlich?
Mit der DB pünktlich zur Arbeit zu kommen und mich in den Magazinräumen zurechtzufinden.
Gibt es schon ein Lieblings-Archivale?
Ein Journal aus dem Zweiten Weltkrieg, das beim Transport zu einem sicheren Standort von Munition der Alliierten getroffen wurde. Die Einschläge der Munition sind gut sichtbar und haben den Einband leicht zerstört. Ich finde das Journal besonders spannend, weil es einen lebendigen Eindruck der Kriegshandlungen vermittelt, die hier in Osnabrück passiert sind.
Text/Foto: Diözesanarchiv Osnabrück